Microsoft hat weitreichende Änderungen für klassische SharePoint-Erfahrungen angekündigt. Klassische Publishing Sites, klassische Seiten und das traditionelle Custom Scripting werden in den kommenden Jahren schrittweise auslaufen. Für viele Unternehmen ist das mehr als eine technische Änderung. Es ist ein weiterer wichtiger Schritt hin zu modernen, sichereren und KI-fähigen Informationsplattformen.
Die gute Nachricht vorweg: Microsoft wird keine Inhalte löschen. Bestehende klassische Seiten bleiben erhalten und können weiterhin angezeigt werden. Unternehmen sollten die verbleibende Zeit jedoch nutzen, um ihre SharePoint-Landschaft zu analysieren und eine Modernisierungsstrategie zu entwickeln.

Was ändert sich konkret?

Microsoft setzt die Umstellung in zwei Phasen um:

Phase 1: Ab März 2027

Für alle Microsoft-365-Tenants gilt:
  • Neue klassische Publishing Sites können nicht mehr erstellt werden.
  • Die Aktivierung klassischer Publishing-Funktionen wird deaktiviert.
Für neue Tenants, die ab diesem Datum erstellt werden:
  • Neue klassische Seiten können nicht mehr erstellt werden.
  • Die Nutzung von klassischem Custom Scripting wird standardmäßig unterbunden.

Phase 2: Ab Oktober 2028

Dann werden die Änderungen auf bestehende Tenants ausgeweitet:
  • Klassische Wiki-Seiten
  • klassische WebPart-Seiten
  • Blog-Seiten
  • Publishing-Seiten
  • benutzerdefinierte ASPX-Seiten
werden schreibgeschützt. Anwender können diese Inhalte weiterhin lesen, aber nicht mehr bearbeiten.

Warum Microsoft diesen Schritt geht

Die klassischen SharePoint-Technologien stammen aus einer Zeit, in der andere Anforderungen an Zusammenarbeit, Governance und Sicherheit galten.
Heute stehen Unternehmen vor neuen Herausforderungen:
  • steigende Anforderungen an Informationssicherheit
  • mobile und hybride Arbeitsmodelle
  • Governance- und Compliance-Vorgaben
  • der Einsatz von KI-Lösungen wie Microsoft 365 Copilot
Moderne SharePoint-Erfahrungen bieten hierfür die technische Grundlage. Sie sind besser integrierbar, einfacher zu verwalten und stärker auf aktuelle Sicherheits- und Governance-Standards ausgerichtet.
Besonders interessant: Microsoft weist darauf hin, dass klassische Inhalte nicht vollständig in den modernen Inhaltsmodellen repräsentiert werden, die für Microsoft 365 Copilot genutzt werden. Dadurch können Reichweite und Qualität von KI-Ergebnissen beeinflusst werden.

Die eigentliche Herausforderung liegt nicht in der Technik

Viele Unternehmen haben im Laufe der Jahre umfangreiche Intranets, Wissensportale und Fachbereichsanwendungen auf Basis klassischer SharePoint-Seiten aufgebaut.
Oft fehlen Antworten auf zentrale Fragen:
  • Welche klassischen Seiten existieren überhaupt noch?
  • Welche Inhalte werden aktiv genutzt?
  • Welche Seiten sind geschäftskritisch?
  • Wo gibt es individuelle Anpassungen oder Skripte?
  • Welche Inhalte können modernisiert werden und welche müssen neu gedacht werden?
Bevor eine Migration geplant wird, sollte daher zunächst Transparenz geschaffen werden.

Unser Rat: Jetzt analysieren statt später reagieren

Auch wenn die Fristen weit entfernt erscheinen, empfiehlt sich ein frühzeitiger Blick auf die eigene SharePoint-Landschaft.
Ein sinnvoller Modernisierungsansatz umfasst typischerweise:

1. Bestandsaufnahme

Identifizieren Sie klassische Seiten, Publishing Sites und individuelle Anpassungen.

2. Priorisierung

Bewerten Sie Inhalte nach Nutzung, Geschäftskritikalität und technischem Aufwand.

3. Modernisierung

Überführen Sie relevante Inhalte in moderne SharePoint-Seiten und moderne Informationsarchitekturen.

4. Governance etablieren

Nutzen Sie die Gelegenheit, Verantwortlichkeiten, Lebenszyklen und Berechtigungskonzepte zu überprüfen.

Modernisierung als Chance für die KI-Readiness

Viele Unternehmen beschäftigen sich aktuell intensiv mit Microsoft 365 Copilot und anderen KI-Lösungen.
Dabei zeigt sich immer wieder:
KI ist nur so gut wie die Informationen, auf die sie zugreifen kann.
Die angekündigten Änderungen sind deshalb nicht nur eine SharePoint-Migration. Sie bieten die Chance, Informationsstrukturen zu modernisieren, Datenqualität zu verbessern und die Grundlage für zukünftige KI-Anwendungen zu schaffen.
Wer heute in moderne Informationsarchitekturen investiert, profitiert nicht nur von einer zukunftssicheren SharePoint-Plattform, sondern schafft gleichzeitig bessere Voraussetzungen für Suche, Wissensmanagement und KI-gestützte Arbeitsprozesse.

Fazit

Die Abschaffung klassischer SharePoint-Erfahrungen erfolgt schrittweise und ohne Datenverlust. Trotzdem sollten Unternehmen die verbleibende Zeit nutzen, um ihre bestehende SharePoint-Landschaft zu bewerten und Modernisierungsmaßnahmen zu planen.
Die entscheidende Frage lautet nicht, ob eine Modernisierung notwendig wird, sondern wie strategisch sie genutzt werden kann.
Denn moderne SharePoint-Plattformen schaffen nicht nur Sicherheit und Governance, sondern bilden zunehmend auch die Grundlage für erfolgreiche KI-Initiativen im Unternehmen.
Quellen: https://techcommunity.microsoft.com/t5/microsoft-sharepoint-blog/upcoming-changes-to-classic-experiences-in-sharepoint-online/ba-p/4549091