Manche Dinge laufen so lange zuverlässig, dass man vergisst, dass sie existieren. SharePoint-2013-Workflows gehören dazu. Einmal eingerichtet, nie wieder angefasst. Genehmigungen laufen. Benachrichtigungen kommen. Statusfelder aktualisieren sich. Alles gut. Bis zum 2. April 2026.

An Gründonnerstag schaltet Microsoft diese Workflows in Microsoft 365 von grün auf rot — und damit ab. Endgültig. Keine Verlängerung, keine Übergangsphase. Laufende Instanzen stoppen. Die Definitionen bleiben als Raw-XML erhalten — aber starten lässt sich damit nichts mehr.

Warum das viele kalt erwischt

Das Problem ist nicht die Technik. Das Problem ist das Bewusstsein. Viele Unternehmen wissen schlicht nicht, wo überall noch SharePoint-2013-Workflows laufen. In welcher Dokumentenbibliothek. In welcher Teamsite. Für welchen Prozess. Von wem eingerichtet. Vor wie vielen Jahren.

Und genau das macht den 2. April riskant: Nicht weil die Workflows so komplex wären. Sondern weil niemand weiß, welche davon geschäftskritisch sind — bis sie plötzlich nicht mehr laufen.

Die Alternative heißt Power Automate

Microsoft positioniert Power Automate als Nachfolger. Und fairerweise: Power Automate kann deutlich mehr als die alten Workflows. Cloud-basiert, hunderte Konnektoren, bessere Transparenz, visuelle Erstellung statt XML.

Und es gibt sogar ein Migrationstool: Das SharePoint Migration Tool (SPMT) kann SharePoint-Designer-Workflows nach Power Automate überführen — Listen-, Bibliotheks- und Inhaltstyp-Workflows inklusive. Allerdings mit Einschränkungen: Nicht alle Aktionen werden unterstützt, und migrierte Flows müssen manuell aktiviert und geprüft werden.

Für einfache Workflows funktioniert das gut. Für komplexere Geschäftslogik muss man neu denken — und das ist oft auch die bessere Lösung.

Was jetzt noch realistisch ist

Bis zum 2. April sind es nur noch wenige Tage. Eine vollständige Migration ist in dieser Zeit nicht mehr machbar. Aber das muss sie auch nicht sein.

Was jetzt zählt ist

  • Inventarisierung: Welche Workflows existieren im Tenant? Wo laufen sie? Wer nutzt sie?
  • Priorisierung. Welche sind geschäftskritisch? Welche können ersatzlos entfallen?
  • Notfallplan. Für kritische Workflows: manuelle Überbrückung bis die Power-Automate-Alternative steht.

Der Rest — die saubere Migration, die Neugestaltung, die Optimierung — kann danach kommen. Aber den Überblick braucht man jetzt.

Das Ende der SharePoint-2013-Workflows ist keine Katastrophe. Power Automate bietet mehr Flexibilität und Transparenz. Das SPMT hilft beim Übergang. Aber wer am 2. April überrascht wird, hat ein Problem. Und wer vorher weiß, was läuft und was kritisch ist, hat eine Chance: Nicht nur zu migrieren, sondern zu verbessern.